“ Babys in Bewegung „
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*** FAZ AKTUELL – September-Dezember 2018 ***
Schwarzwälder Bote_von Marion Selent-Witowski. Foto_Selent-Witowski Foto_ Schwarzwälder Bote_07.09.2018

Schwarzwälder Bote_von Marion Selent-Witowski. Foto_Selent-Witowski Foto_ Schwarzwälder Bote_07.09.2018

Teamarbeiterin mit großem Herz für Kinder

Charlotte Weik musste einst nicht lange überlegen: Im Alter von 16 Jahren entschied sie sich für eine Erzieherinnenausbildung. Mehr als vier Jahrzehnte später ist die Althengstetterin immer noch mit ganzem Herzen dabei, auch wenn der Abschied vom Berufsleben naht.

Althengstett. Ganze 43 Jahre ist es her, dass Weik ihre Ausbildung in einem Kinderheim begann. Nach dem Anerkennungsjahr blieb sie für weitere zwei Jahre dort, bevor es zurück nach Althengstett ging. An ihre beruflichen Anfänge kann sich die 61-Jährige erinnern, als sei es erst gestern gewesen: „Zu viert waren wir damals im Erzieherinnenteam“. Heute arbeitet die Gesamtleiterin der Althengstetter Kindergärten und Leiterin des Familienzentrums mit rund 50 Kollegen und Auszubildenden sowie Praktikanten aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr zusammen. Inzwischen werden in den Kindertagesstätten der Gesamtgemeinde zwölf Gruppen für Jungen und Mädchen von einem bis sechs Jahren angeboten. Auch die Schulkindbetreuung, also die Betreuung außerhalb der Schulzeiten, ist Weik unterstellt.

Charlotte Weik (rechts) startete in Althengstett einst mit drei Kolleginnen ins Berufsleben. Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Cousine als Vorbild

„Meine Cousine, die als Erzieherin arbeitete, war damals mein Vorbild“, blickt die langjährige Mitarbeiterin der Gäugemeinde zurück. Sie habe Menschen, vor allem Kinder, und den Umgang mit diesen schon immer geliebt. Nicht einen Tag habe sie ihre Berufswahl bereut: „Kinder sind wertvoll und ein riesengroßer Schatz. Die Arbeit als Erzieherin macht Sinn und lohnt sich“. „Etwas schade“ findet es Weik, dass sie durch ihre Leitungsaufgabe, mit der viel Büroarbeit verbunden ist, nicht mehr so viel wie früher bei den Kindern sein könne. Was nicht heißt, dass die 61-Jährige sich weniger für deren Belange und ein gutes Miteinander mit deren Eltern einsetzt. Weik wird als gute Teamarbeiterin und Netzwerkerin von Kollegen, Eltern, Verwaltung und Gemeinderat sehr geschätzt. Und zahlreiche Kinder, die einst von ihr betreut wurden und heute selbst ihre Sprösslinge in der Obhut Weiks und ihrer Kollegen wissen, erinnern sich gerne an ihre damalige „Kindergärtnerin“.
„Es gibt mehr Betreuungszeiten und die Kinder werden früher in die Betreuung gegeben“, sagt Weik zu den spürbarsten Veränderungen in mehr als 40 Jahren Erzieherinnentätigkeit. Anfangs seien es in der Ganztagsbetreuung fünf Kinder gewesen, heute 25, die von 7 bis 17 Uhr betreut würden, Mittagessen inklusive. „Kinder kommen heute ab einem Jahr zu uns.“

Viel Verantwortung

In ihrem Beruf trage man viel Verantwortung „und man muss tagtäglich vollauf präsent sein“. Die Tätigkeit sei insgesamt anspruchsvoller geworden, Aspekte wie Sprachförderung würden heute eine größere Rolle spielen. Erziehung müsse vor allem aber im Elternhaus geschehen.

„Besonders viel Spaß gemacht hat mir die Tätigkeit als Familienbesucherin“, betont Weik. Dieses Angebot, das dem Familienzentrum angegliedert ist, gibt es in Althengstett seit zehn Jahren und richtet sich an junge Familien, die vor allem bei der Geburt des ersten Kindes viele Fragen rund um das Neugeborene und seine Entwicklung haben, sich aber auch schon über die Betreuungsmöglichkeiten in der Kommune informieren wollen. Die Besucherin kommt unter dem Motto „Die ersten Schritte begleiten“ mit einem Willkommensgruß zur Familie, informiert über die Angebote vor Ort und ist auch weiterhin Ansprechpartnerin bei allen Fragen rund um das Neugeborene sowie das Thema Familie.

Weik war und ist offen für Neues, macht aber mit ihrem Team „nicht jede Mode mit“. Man habe sich beispielsweise gegen die sogenannte offene Arbeit entschieden, bei der die üblichen Kindergartengruppen aufgelöst werden und die Jungen und Mädchen sich in freigewählten Spielgruppen mit von ihnen ausgewählten Aktivitäten befassen. Man setze auf ein teiloffenes Konzept, etwa mit einem Turnraum, in dem sich die Kleinen aus verschiedenen Gruppen begegnen können. Gruppenübergreifende Aktivitäten wie der Naturtag gehören ebenso dazu. Man wolle den Jungen und Mädchen auf jeden Fall die Geborgenheit einer Gruppe geben.

Neue Herausforderungen

Weik möchte all die Jahre nicht missen, „jetzt ist es aber Zeit für Neues“, kündigt die Erzieherin ihren Rückzug an. Sie werde noch das laufende Kindergartenjahr bis 2019 in der Verantwortung stehen und dann aufhören, um sich beruflich noch einmal neuen Herausforderungen zu stellen. Dankbar ist die 61-Jährige im Rückblick vor allem für die Zeit mit den Erzieherkollegen, die zum Teil bereits seit 20 oder mehr Jahren zum Team gehören, für die stetige Unterstützung durch Gemeinderat und Verwaltung sowie viele Begegnungen und Erfahrungen. „Ich habe in all den Jahren ein Fundament gelegt, auf das meine Nachfolgerin aufbauen kann.“