„Noch nicht alle Gewinne abgeholt“ GHV – Weihnachtsverlosung 
Ab 3. Juli 2021 ist es in der EU eine Ordnungswidrigkeit, bestimmte Artikel aus Einwegplastik zu verkaufen – Trinkhalme, Besteck und Teller oder Wattestäbchen.Foto: dpa/Hirschberger Foto: Schwarzwälder Bote Von Marion Selent-Witowski
Team nimmt Müllvermeidung ins Visier
Das Projekt Kindertagesstätte Poststraße soll dieses Jahr in Althengstett vorangetrieben werden.Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Das Projekt Kindertagesstätte Poststraße soll dieses Jahr in Althengstett vorangetrieben werden.Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Krise schweißt Althengstetter zusammen 

Althengstett. Corona hat Kommunen vor ungeahnte Herausforderungen gestellt. Althengstetts Bürgermeister Clemens Götz verrät im Gespräch mit unserer Zeitung, welche Projekte in der Gäugemeinde im neuen Jahr gestemmt werden sollen, was er der Krise Positives abgewinnen kann und worauf er sich freut, wenn sie vorbei ist.

Welche Projekte/Meilensteine fallen Ihnen als Bürgermeister als Erstes ein, wenn Sie an 2020 denken?

Das Baugebiet Brunnenstraße Neuhengstett ist fertiggestellt, auch der Waldenserensemble-Zusatzbau, die Kita Poststraße begonnen, das Baugebiet „Wasenäcker“ in Ottenbronn vorangetrieben. Außerdem haben wir die Bürgermedaille an drei „stille Personen“ verliehen: Hannelore Kopp, Claudia de Buhr und Gerhard Schmid.

Was steht in Ihrer Gemeinde an größeren Projekten im Jahr 2021 an?

Neben der Kita Poststraße (2021/22) der Anbau Grundschule, die Planung für Anbau und Sanierung des Schulzentrum, der zweite Teil des Waldenserensemble und der Satzungsbeschluss für das Baugebiet „Wasenäcker“.

Was haben Sie 2020 wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie am meisten vermisst?

Persönliche Begegnungen und Feste.

Und wer oder was hat Sie in den vergangenen Monaten besonders geärgert?

Dass ich für Corona sehr viel zusätzlich zu allem anderen arbeite und so wenig Bleibendes herauskommt: Heute etwas entschieden und abgestimmt, in ein paar Tagen wirft die Pandemie-Entwicklung alles über den Haufen. Mal wird es unerwartet schlechter, dann wieder besser, dann wieder schlechter. Und niemand ist wirklich schuld, bei dem ich mich beklagen könnte! Das Virus eben!

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Corona-Beschränkungen aufgehoben werden?
Was werden Sie als Erstes machen? Freunde besuchen.

Werden Sie sich impfen lassen? Selbstverständlich.

Welche Schwierigkeiten stehen Ihrer Gemeinde wegen Corona noch bevor?

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind schwer abzuschätzen. Das betrifft Arbeitnehmer und Selbstständige, Betriebe, Einzelhändler, am Ende auch die Steuereinnahmen der Gemeinde. Ganz wichtig für das soziale Leben: Die Vereine müssen wieder in Fahrt kommen und ihre Mitglieder wieder aktivieren können.

Wie steht es um den Zusammenhalt in Ihrer Gemeinde seit Beginn der Corona- Krise?

Sehr gut. Das zeigen „Türöffner Althengstett“, Familienrallye, „Althengstett leuchtet“, digitaler Adventskalender und Videokonferenzen für den Zukunftsdialog. Das Familienzentrum hat eine wichtige Rolle als Bindeglied entwickelt.

Was waren die größten Herausforderungen der Gemeindemitarbeiter bei der Bewältigung der Corona-Krise?

Der ständige Wechsel im Umgang mit Corona, der einen wirklich ständig verfolgt. Was sind Ankündigungen, was sind Pressemeldungen, was sind die tatsächlich und aktuell gültigen Verordnungen, und wie wenden wir sie vor Ort an? Das ist nervenaufreibend. Und die Erzieherinnen: In der ersten Reihe der Ansteckungsgefahr zu stehen, die damit verbundene riesige Verantwortung gegenüber den Kindern auf der einen Seite und den eigenen Lieben auf der anderen Seite, die eigene Gesundheit mit eingeschlossen. Im Dezember kann man das gelassener sehen als im März, als die Ansteckungsgefahr und die Gefährlichkeit der Krankheit noch schwerer einzuschätzen waren.

Können Sie Corona und den Folgen generell etwas Positives abgewinnen?

Ich war und bin beeindruckt von der Solidarität gegenüber den Schwächsten, die sich in den Opfern zeigt, zu denen wir gesamtgesellschaftlich bereit sind. Hierfür fahren wir eine ganze Wirtschaft, ein Bildungssystem, ein ganzes gesellschaftliches System hinunter. Wir haben die Bedeutung von Menschen in „systemrelevanten Berufen“ entdeckt: Verkäuferinnen, Pflegekräfte, Erzieherinnen, Lehrer. Wir haben in der Gemeinde enorm viel Kreativität entwickelt, um trotzdem Kontakt zu halten: von den Musikeraktionen im Lockdown bis zur Digitalisierung ganzer Lebensbereiche, inklusive Kirchen. Die Verwaltung Althengstett ist jetzt auf Instagram, wir haben einen digitalen Adventskalender, meine Weihnachtsbotschaften sind digital. Wir erreichen dadurch ganz neue Bevölkerungsschichten, vor allem auch Jüngere, die so an den Gemeindeentwicklungen teilnehmen. Wenn es wirklich wichtig ist, können wir erstaunlich schnell und radikal reagieren. Das stimmt mich optimistischer für die Handlungsfähigkeit bei künftigen Krisen – ich sage nur Klimaerwärmung.

Wer kennt nicht die Märchen, in der die gute Fee vorbeikommt und man drei Wünsche frei hat. Wie würden Ihre fürs kommende Jahr lauten?

Gemeint ist wahrscheinlich: für uns hier. Für die Menschheit wünsche ich mir Friede, Gerechtigkeit, Freiheit weltweit. Die Abschaffung von Krieg, Hunger, Tyrannei. Aber wahrscheinlich meinen Sie es eine Münze kleiner, also als Bürgermeister in Baden-Württemberg. 1. Corona möge verschwinden. 2. Anschließend bauen wir eine zukunftsfähige, nachhaltige, technologie-clevere, klima- und ressourcenschonende Wirtschaft auf. 3. Die Menschen finden zueinander, indem sie die Vereine und Kirchen bevölkern, Verantwortung übernehmen, einander zuhören, ihren Verstand gebrauchen und vor allem Lebensfreude entwickeln.

 Die Fragen stellte Marion Selent-Witowski.

 


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