Auszubildende und FSJ-Praktikanten in den Kindertageseinrichtungen
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Dank für immense Lebensleistung Von Marion Selent-Witowski 08.11.2019 - 04:30 Uhr Fotos: Selent-Witowski Foto: Schwarzwälder Bote

Dank für immense Lebensleistung

Eine tiefe Verbeugung vor einer immensen Lebensleistung – das war die Abschiedsfeier für die Althengstetter Gesamtkindergartenleiterin Charlotte Weik am Mittwochabend in der Festhalle. Ihre Kollegen und zahlreiche weitere Wegbegleiter machten der Erzieherin Mut für den nächsten Lebensabschnitt.

Althengstett. „Was kann es Schöneres geben, als Kinder ins Leben zu begleiten?“, fragte die künftige Ruheständlerin am Ende der Feier ins Publikum hinein. Ihr Herz habe immer für Kinder geschlagen. Beleg dafür waren, bevor Weik selbst tief bewegt ans Rednerpult trat, die verschiedenen Rede- und Bühnenbeiträge, die das Wirken Weiks über 42 Jahre hinweg beschrieben. Ganz deutlich wurde dabei eines: Die drei Althengstetter Ortsteile würden heute ohne das Engagement der Erzieherin nicht über ein dermaßen großes und qualitativ hochwertiges Angebot an frühkindlicher Förderung verfügen. Weik habe über Jahrzehnte hinweg im Zusammenspiel mit Verwaltung, Gemeinderat, Ortschaftsräten, verschiedenen Abteilungen des Landratsamts, Schulen, Kirchengemeinden, Kollegen, Eltern und Ehrenamtlichen aus dem Familienzentrum weitsichtig an der Weiterentwicklung dieses Bereichs gearbeitet, wurde am Mittwochabend von mehreren Seiten betont.

Charlotte Weik (rechts) bestand ihren Part des schwäbisch-ostdeutschen Sprachtests mit Bravour. Zumindest zu Beginn der Zusammenarbeit mit Kolleginnen aus den neuen Bundesländern war es zu leichten Verständigungsschwierigkeiten wegen typischer Begriffe aus beiden Landesteilen gekommen. Mit diesen und weiteren Programmpunkten wurde die langjährige Erzieherin in den Ruhestand verabschiedet. Fotos: Selent-Witowski Foto: Schwarzwälder Bote

Erste Erfahrungen in Korntal gesammelt

Bürgermeister Clemens Götz dankte Weik im Namen der gesamten Kommune für ihre große Liebe, die Sorgfalt sowie den Einsatz für die Althengstetter Kinder während ihrer 42-jährigen beruflichen Laufbahn. Er ging auf den Werdegang der Althengstetterin ein, die die örtliche Realschule besuchte. Danach arbeitete sie ein Jahr in einer Großküche, absolvierte ihre Erzieherinnenausbildung in Reutlingen und sammelte in Korntal ihre ersten Berufserfahrungen. Weik wurde schließlich Leiterin der Kindergärten Nord-, Jahn- und Fronäckerstraße. „Ihr hohes Ansehen in der Bevölkerung zeigte sich in der Wahl in den Calwer Kreistag 2004, dem sie bis 2014 angehörte“, sagte Götz. „2008 machte ich Sie zur Gesamtverantwortlichen aller Kindergärten der Gemeinde und übertrug Ihnen die Verantwortung für die Organisation der Schulkindbetreuung.“ Die Vernetzung und Intensivierung der vielen Aktivitäten insbesondere um junge Familien und die Stärkung der Erziehungskompetenz hätten 2014 in der Gründung des Familienzentrums gemündet. Für Weik, die die Leitung übernahm, ging mit diesem Vorzeigeprojekt, das in den Landkreis ausstrahlt, ein großer Traum in Erfüllung, wie sie am Mittwoch sagte. 2019 habe der Gemeinderat, so Götz weiter, auf seinen Vorschlag hin die Neuordnung der Gemeindeverwaltung vollzogen, „wodurch der Bereich Bildung, Erziehung, Betreuung eine eigenständige Säule, ein eigenständiges Amt, gleichwertig neben Hauptamt, Finanzen und Bauen, bildet. Die erste ›Amtsleiterin‹ sind Sie“.

Der Verwaltungschef ging aber nicht nur auf die äußere Entwicklung des Bereichs Betreuung und Erziehung ein. „Was mir als erstes bei Frau Weik aufgefallen ist: ihre große Liebe zu Kindern. Das Kinder froh, frei, geborgen aufwachsen und sich und die Welt entdecken, das sah ich immer als ihre große Leidenschaft.“ Damit dies gelingen konnte, habe sich Weik auch intensiv um alles andere gekümmert: Kolleginnen, Eltern, und dann mit dem Familienzentrum um das ganze Umfeld, das „berühmte Dorf, das für das Heranwachsen eines Kindes erforderlich ist“, so Götz.

Der Entwicklung immer einen Schritt voraus

Eine charakteristische Eigenschaft der Erzieherin mit großem Herzen sei es, der Entwicklung immer einen Schritt voraus zu sein. Weik habe die Naturtage in den Einrichtungen eingeführt, lange bevor in der allgemeinen Pädagogik die Bedeutung des Naturerlebnisses erkannt worden sei. Althengstett sei zudem Pilotgemeinde im Kreis Calw bei der Entwicklung der Familienbesuche bei den Eltern von Neugeborenen gewesen: „Mittlerweile haben alle Gemeinden im Kreis Calw dies übernommen“. Man habe als Erste im Kreis Tageseltern gefördert, „wir haben Elternarbeit intensiviert und Kurse für junge Eltern angeboten. Unser Familienzentrum wird mittlerweile in anderen Gemeinden kopiert“, sagte Götz. Als es um die Einführung des „Orientierungsplans“ in Baden-Württemberg ging, der die Qualität in den Kindergärten sichern sollte und der wegen seiner Anforderungen sehr umstritten gewesen sei, habe Weik nur trocken gemeint: „Das machen wir im Grunde doch seit Jahren!“.

Der Bürgermeister sah die Veranstaltung nicht als Abschied. Er ist sich sicher, dass die 63-Jährige sich auch weiterhin ins öffentliche Leben zum Wohle ihrer Mitmenschen einbringt.

Althengstett (msw). An diesen Abend wird sich die seitherige Althengstetter Gesamtkindergartenleiterin Charlotte Weik gerne erinnern. Auf eigenen Wunsch begleitete das große Neuhengstetter Klaviertalent Claudia Peter deren Verabschiedung in den Ruhestand. Die 63-Jährige erwarteten aber auch weitere Programmpunkte, die sie zum Lachen sowie dankbaren Zurückblicken und an der ein oder anderen Stelle den Tränen nahe brachten.

„Pragmatisch, praktisch, gut“ –­ so beschrieb Christa Blattner, die seit 1981 in der Fachberatung der Tageseinrichtungen für Kinder im Landkreis Calw mit Weik zu tun hatte, die Zusammenarbeit. Das Abschiedsgeschenk Blattners bestand aus mehreren Tafeln des Schokoladenherstellers, der für quadratische Tafeln zum Knicken bekannt ist. Man könne sich bei Weiks Werdegang fragen, wie man es so lange an der selben Stelle aushalte. Diese habe es über die Jahre verstanden, die Herausforderungen für die Fortentwicklung kindgemäßer Betreuung anzunehmen und zu meistern.

Auch der ehemalige Leiter der Gemeinschaftsschule, Hartmut Weber, der selbst erst vor wenigen Wochen in den Ruhestand verabschiedet worden war, kam zu Wort. Der Erzieherin sei es wichtig gewesen, dass die Jungen und Mädchen nach der Kindergartenzeit einen guten Anschluss an die Schule finden: „Es war immer eine Förderung auf dem aktuellen Stand der Pädagogik“. Die Zusammenarbeit sei stets von tiefem gegenseitigem Verständnis geprägt gewesen. „Wir haben einen Konsens gefunden, und du hast immer klar gesagt, was geht und was nicht“, äußerte sich Weber zu teilweisen Überschneidungen bei Personal- und räumlichen Ressourcen.

Weiks Nachfolgerin Franziska Binczik zeichnete in verschiedenen Abschnitten das mehr als vier Jahrzehnte andauernde Wirken Weiks nach und leitete zu den verschiedenen Programmpunkten über. Da durfte beispielsweise ein Sketch zu einem einigermaßen missglückten Windelwechsels Weiks bei einem Säugling nicht fehlen.

Binczik sowie Ortsvorsteher und Gemeinderat Richard Dipper, der im Beirat des Familienzentrums sitzt, bescheinigten der Erzieherin, im Team und stets auf Augenhöhe aus kleinen Anfängen Großes entwickelt sowie Netzwerke neu erfunden zu haben. Sehr gute Beispiele hierfür seien der Mehrgenerationenplatz oder der Osterweg und das Projekt Martinsumzug.

Nicht nur gute Chefin

Von B wie Betreuung bis Z wie Zeugnisse schreiben – die Aufgaben der Gesamtkindergartenleiterin waren vielfältig, wie die Kollegen mit Plakaten zeigten. Foto: Schwarzwälder Bote

Mehr als einmal wurde am Mittwochabend betont, dass die 63-Jährige nicht nur eine gute Chefin, sondern auch eine treue Begleiterin bei persönlichen Höhen und Tiefen war. Weik wurde als „Ermutigerin“ bezeichnet, die stets für alle ein offenes Ohr oder ein gutes Wort gehabt habe.

Mit Kraft, Hoffnung und Freude habe Weik durch ihr großes Gottvertrauen über all die Jahre ihre Arbeit gemeistert, unter der viele andere Menschen im Erzieherberuf zusammenbrechen würden, sagte Heinz Veigel, der gemeinsam mit Ehefrau Karin Elternkurse im Familienzentrum organisierte. Im Verlauf der guten Zusammenarbeit sei eine echte Freundschaft zu Weik entstanden. Und dann kam der Moment, in dem der „Ermutigerin“ selbst Mut gemacht wurde: „Du musst jetzt lernen, loszulassen“, so Veigel. Es gelte, einen völlig neuen Lebensabschnitt zu beginnen.

Pfarrer Martin Schoch sprach einen „Segen auf den Weg“, bevor Weik das Wort ergriff. „Ich bin beeindruckt, dankbar und fast beschämt“, sagte sie vor dem Ende des offiziellen Teils. Sie fühle sich in doppeltem Sinn beschenkt. Nicht nur durch die Präsente, sondern auch durch die Begegnung mit Menschen über eine lange Wegstrecke hinweg. Stationen in 42 Jahren Beruf, Menschen und Dankbarkeit waren die Begriffe, die sie in den Mittelpunkt stellte. Vor allem ihren Eltern, die sie all die Jahre unermüdlich unterstützt hätten, galt großer Dank. Erneut zu zahlreichen Begegnungen kam es nach dem offiziellen Teil: bei einem Glas Sekt und Häppchen am Büffet.